Trend zur Verantwortung im Reporting

Zahlreiche Unternehmen betreiben seit Jahren ein ausgezeichnetes Nachhaltigkeitsreporting mit Fokus auf ökologische Themen und den CO2-Fussabdruck. In letzter Zeit hat ESG-Reporting dank der Verankerung von Nachhaltigkeit in den Unternehmensstrategien eine neue Qualität erfahren.

Man kann von einer Evolution des eher isolierten Nachhaltigkeitsreportings hin zu strategischem ESG-Reporting sprechen. Ein wesentlicher Meilenstein auf diesem Weg stellt die Integration nicht-finanzieller Leistungsindikatoren in die Unternehmenssteuerung dar. Damit werden die Nachhaltigkeitsthemen mess- und vergleichbar wie Finanzkennzahlen.

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Nachhaltigkeitsbericht von MTU

Herausforderungen und Chancen

Ein Problem des aktuellen ESG-Reportings resultiert aus der Vielzahl der verwendeten Methoden, Vorschriften und Standards. Diese verwirren und untergraben das kollektive Vertrauen in ESG als messbares Konzept. Der Schritt der Standardisierung scheint also längst überfällig zu sein. Das neu ins Leben gerufene International Sustainability Standards Board (ISSB) am deutschen Finanzzentrum Frankfurt am Main ist ein zentraler Bestandteil zur Schaffung eines globalen Standards. Auf EU-Ebene arbeitet die European Financial Reporting Advisory Group (EFRA) ebenfalls an einer anwendbaren Richtlinie unter Kooperation mit der Global Reporting Initiative (GRI). Hierzu soll auf Basis der Non-Financial Reporting Directive (NFRD) die sogenannte Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) entstehen. Die durch diese Initiativen neu geschaffenen und verschärften Kriterien werden allein in Deutschland ca. 15.000 Unternehmen betreffen (bisher ca. 500).

Dem Grossteil aktueller Nachhaltigkeitsberichte börsennotierter deutscher Unternehmen liegt bereits heute der GRI-Standard zugrunde. Seine Neugestaltung mit einem modularen Aufbau soll vor allem die Anwendung in den Unternehmen erleichtern, die Transparenz verbessern und für eine konsistente Berichterstattung sorgen.

Ein weiterer Schritt in Sachen Standardisierung ist, dass der Nachhaltigkeitsbericht künftig, inkl. eines digitalen Taggings, in einem Dokument mit den Finanzinformationen zu veröffentlichen ist und eine externe Prüfung zur Validierung der Ergebnisse verpflichtend wird.

Unternehmen müssen sich auf die Erhebung, Aufbereitung und Auslieferung der gemäss neuem Standard definierten Daten vorbereiten.

Die Realisation von ESG-Reporting

Unternehmen müssen sich auf die Erhebung, Aufbereitung und Auslieferung der gemäss neuem Standard definierten Daten vorbereiten. Dazu sind nachvollziehbare Prozesse, vollständige Versionskontrollen sowie Instrumente notwendig, die eine reibungslose Zusammenarbeit im gesamten Unternehmen unterstützen.

Es braucht eine digitale Plattform, welche die Datenerfassung automatisiert, die Standards bzw. Rahmenwerke integriert und die Daten direkt mit dem Nachhaltigkeitsbericht verknüpft, ob er nun als PDF, HTML-Onlinebericht oder im XBRL-Format zur Verfügung gestellt wird. Mit konsistenten Daten, vernetzten Arbeitsabläufen und einem integrierten XBRL-Tagging kann viel Vertrauen geschaffen werden. Vollendung findet das ESG-Reporting durch die Usability beim Onlinereport. «Usable» oder nützlich sind zum Beispiel eine interaktiv zugängliche Wesentlichkeitsmatrix oder ein interaktiver Vergleich der ESG-Kennzahlen.

Unternehmen sollten sich vorbereiten, denn Investoren und Ratingagenturen erwarten Offenlegung. Ziel der Nachhaltigkeitsberichterstattung muss es sein, die Transparenz zu erhöhen, die Standardisierung sicherzustellen und Unsicherheiten auszuräumen.

Autoren

Olivier Neidhart | Verwaltungsratspräsident Neidhart + Schön Group AG

Anna Bertele | Business Development mms solutions GmbH | Tochtergesellschaft der Neidhart + Schön Group AG

Publiziert im Fachmagazin «AnlegerPlus – Das Magazin für Kapitalanleger», März 2022