Sieben Antworten von Reporting-Profis

Sieben Fragen an Corporate Communications Professionals zur Verschärfung der Regulierung, zur Bedeutung von ESG-Kriterien und zu den Kernbotschaften in ihren Geschäftsberichten.

ESG-Profis
Tanja Nagel (links)
Head of Report and Archive, Group Communication
& Head of Reports and Archive, Group Communication
& Investor Relations, Heidelberg Materials

Saskia Rusch (rechts)
Head of Corporate Communications & Corporate Marketing,
Burckhardt Compression

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Welchen Effekt erwarten Sie aus der zunehmenden Verschärfung der Regulierung für Ihr Unternehmen und seine Stakeholder?

Tanja Nagel: Wir arbeiten seit Jahren daran, unsere ESG-Datenerfassung auszubauen und nehmen auch über unsere Mitgliedschaft in der Global Cement & Concrete Association ausführliche Berichtspflichten wahr. Insofern sind wir auf neue Anforderungen gut vorbereitet und werden unseren Stakeholdern weiterhin ausführliche Informationen zur Verfügung stellen.

Saskia Rusch
: Durch das Fehlen einheitlicher Regulierungen hat jedes Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeitsberichterstattung seinen eigenen Weg eingeschlagen. Die Vergleichbarkeit war daher schwierig. Das wird sich nun etwas verbessern, auch wenn die Gesetzgebung noch eher vage ist.

2

Welche der anstehenden Regulierungen überzeugen Sie am meisten? Welche halten Sie für weniger effektiv?

Tanja Nagel: Wir gehen da ohne Vorbehalte heran. Wenn die EFRAG oder das ISSB ihre Vorstellungen konkretisiert haben, können wir besser beurteilen, welche neuen Anforderungen einen wirklichen Mehrwert für unsere Stakeholder, aber auch für uns als Unternehmen bieten. Schliesslich zeigen diese auch Punkte auf, die derzeit vielleicht noch nicht im Fokus stehen.

Saskia Rusch: Die geplante Einführung von TCFD per 1. Januar 2023 ist ein wichtiger Schritt. Die kurze Einführungsfrist halte ich für sportlich, gerade weil die Unternehmen dafür ganz erhebliche Vorarbeiten leisten müssen. Den Hinweis in der Verordnung auf die doppelte Materialität finde ich sehr wichtig. Erst wenn Unternehmen nicht nur die unmittelbaren Auswirkungen auf das eigene Geschäft berücksichtigen, sondern sich auch bewusst sind, was ihre Produkte und Geschäftsaktivitäten für die Welt bedeuten, werden Prozesse etc. angepasst.

3

Die Bedeutung von ESG-Kriterien nimmt im Reporting laufend zu. Was bedeutet
das aktuell und zukünftig für die Berichterstattung?

Tanja Nagel:
Wir begrüssen den Ansatz, die derzeit vorherrschenden Reportingstandards zusammenzuführen und die Ergebnisse vergleichbar zu machen. Aktuell gleichen diese einem Daten-Dschungel: TCFD, CSRD, GRI, EU-Taxonomie alles wichtige Informationen, aber noch nicht aufeinander abgestimmt. Das macht es den Lesern schwerer, die wesentlichen Informationen zu finden. noch nicht aufeinander abgestimmt. Das macht es den Lesern schwerer, die wesentlichen Informationen zu finden.

Saskia Rusch: Die Bewertungen aus der finanziellen Berichterstattung waren lange der alleinige Massstab für die Bewertung der Anleger. Die ESG-Kriterien vervollständigen die Bewertung und liefern ein ganzheitlicheres Bild des Unternehmens. Da die Kriterien ständig erweitert werden, müssen die Unternehmen selektionieren und die für sie wichtigsten Themen wählen. Die stetig steigende Zahl an Themen und Indikatoren macht es Unternehmen unmöglich, alles zu monitoren. Daraus ergibt sich aber letztendlich auch ein besseres Bild, da sofort klar wird, welche Faktoren das Unternehmen beeinflussen kann.

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Was sind die Kernbotschaften, die Sie im Geschäftsbericht vermitteln wollen?

Tanja Nagel:
Oberste Priorität hat die Transparenz gegenüber unseren Stakeholdern: Wir wollen die Dinge so zeigen, wie sie sind. Kein Greenwashing, keine Verschleierung von Geschäftsvorfällen. Mit einem Geschäftsbericht gewinnen Unternehmen Vertrauen. Und das ist in der heutigen Zeit für die Akzeptanz des Geschäftsmodells wichtiger denn je.

Saskia Rusch: Burckhardt Compression konnte in der letzten Zeit von einer grossen Nachfrage nach Marine-Kompressoren profitieren. Das sind Kompressoren auf Schiffen, die LNG als Treibstoff nutzen oder solches transportieren. Die Entwicklung zu nachhaltigen Energiequellen unterstützt Burckhardt Compression zudem mit Kompressoren für die Herstellung oder Verwendung von Wasserstoff. Es war schön, solche Botschaften gleich im ersten Nachhaltigkeitsbericht zu präsentieren, der nach GRI-Standard aufgesetzt war.

5

Wie messen Sie, ob Ihre Botschaften bei den Zielgruppen ankommen?

Tanja Nagel: Wir stehen im Rahmen von Gesprächen, Presseanfragen oder auch verschiedenen Formen der Bürgerbeteiligung in engem Kontakt mit unseren Stakeholdern. Auch die Aktionärsfragen auf der Hauptversammlung zeigen uns, wo wir in unserer Kommunikation noch verständlicher werden müssen.

Saskia Rusch: Wir stehen in regelmässigem Austausch mit den verschiedensten Stakeholdern. Diese Gespräche sind sehr wertvoll und ein toller Gradmesser, ob Botschaften verstanden werden. Darüber hinaus führen wir regelmässige Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheitsumfragen durch.

6

Was wollen Sie beim nächsten Geschäftsbericht anders machen?

Tanja Nagel:
Für das Berichtsjahr 2022 werden wir den Geschäfts- mit dem Nachhaltigkeitsbericht kombinieren. Das ist für uns ein großer Schritt: Der Nachhaltigkeitsbericht wurde bisher recht spät veröffentlicht. Wir konnten über die letzten Jahre die Prozesse deutlich beschleunigen. Es wird dennoch fordernd, nun sämtliche Informationen bereits Ende März 2023 zu publizieren.

Saskia Rusch:
Wir wollen die Anbindung der Microsite an unsere Website noch integraler gestalten. Hier stellen wir immer noch einen Bruch fest.
 
7

Wenn Sie mit dem heutigen Wissen Ihre Laufbahn noch einmal starten könnten, wie sähe Ihre Karriereplanung aus?

Tanja Nagel: Ehrlich gesagt, war es ein Zufall, dass ich vor über 10 Jahren im Finanzreporting gelandet bin. Ich arbeite in einem spannenden, sich ständig verändernden Umfeld, dessen Scope sich mit der zunehmenden Bedeutung von ESG deutlich erweitert hat – und bin sehr zufrieden damit!

Saskia Rusch: Ich bin ganz glücklich, sodass ich sagen kann, da würde ich nicht viel ändern. Ich war immer in spannenden Unternehmen tätig und konnte interessante Projekte umsetzen.

Erstpublikation The Reporting Times, No. 21/2022

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